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Mittwoch, 18. November 2015

Das Lehenswesen der Freien Fürstentümer - Teil 2

Nardoriand
- Von Ritter, Freiem und großem Lord -
Teil 2

Der größte Teil der Bewohner Nardoriands ist nicht dem Adel angehörend, obwohl es eine Vielzahl an Alderman und Rittern gibt. Die meisten Bewohner gehören dem Stand der Freien an. Das Lehnwort der nardorischen Sprache bedeutet theguo, das, ähnlich dem eaorle, dem Titel den Namen gibt und der einem freien Nardorier zugesprochen wird. Seine Bezeichnung lautet daher Thegn oder Thane.
Die Thane eines Earldormes finden sich in allen sozialen und gesellschaftlichen Strukturen wieder. Sie besetzen mitunter auch wichtige Positionen im Dienste eines Adligen oder Ritters. Die Thane sind eben die freien Bewohner die sich auf das Recht berufen können.
Sie dürfen ebenso z.b. Waffen tragen oder nach dem geltenden, lokalen Recht, der Jagd nachgehen. Die Thane von Nardoriand sind in der Regel jedoch die Freibauern des Landes oder die Freipächter auf den Rittergütern. Gerade in solchen Fällen sind sie meist auch Teil des Dienstadels eines Ritters oder eines Earls.
Thane befehligen auch oft als Hauptleute die Wachen auf den Burgen oder in den Kastellen und Garnisonen der Freien Fürstentümer. Solche werden dann als Esquire oder Squire bezeichnet und gehören meist als altgediente Recken und Haudegen, dem regulären Kriegerstand an.
In den Fällen dass ein Thane als Befehlshaber einer Streitmacht der Freien Fürstentümer fungiert oder aber als Richter auftritt wird er auch mit der nicht erblichen Bezeichnung Marschall geehrt und angesprochen. Dies würde jedoch auch auf jeden Ritter oder Lord zutreffen, der einen Heerbann befehligt. Insoweit würde der Titel um den Stand ergänzt, wie z.b. Earl Marschall oder Lord Marschall. Nicht zu verwechseln ist dieser Titel mit dem des Burgmarschalls von Almarian und des Seneschalls von Ashbun.
 
Eine ähnliche Tradition gibt es bei den Thegn die selbst Land besitzen, d.h. keine Freipächter eines Adligen sind. In solchen Fällen ist der Titel Laird oder Laeird sogar ein erblicher Titel und wird mit Stolz vom Vater auf den Sohn wiedergegeben. Sollte kein Sohn vorhanden sein, erbt den Titel und das Land der nächste männliche Verwandte. Sollte nur ein weiblicher Nachkomme vorhanden sein, lautet der Titel im übrigen Tirana oder Tiranet.
Im Gegensatz zum Adel ist es üblich einen Freien ausschließlich mit der Ehrenbezeugung Herr oder Frau anzusprechen.  Sofern in dritter Person gesprochen wird, werden die Titel wie Squire, Laird oder Tirana nach dem Namen geführt, z.b. Gordan Branfort, Squire oder Gordan Branfort, Laeird von Brandforthall.
 
Schrankenrecht, die Bulle von Arydee und das Nardorische Rittertum
Eine Besonderheit Nardoriands ist auch die gegebene Tatsache, dass seit der „Bulle von Arydee“, sowohl der Adel als auch die Thegn dem Gesetz unterworfen sind. In diesem verfassungsähnlichen Dokument sind alle Verhältnisse der Bewohner zueinander und miteinander geregelt. Ausserdem hat jeder das Recht, ob nun Ritter, Thegn oder Leibeigener, vor dem Gericht zu klagen, wenn ihm Unrecht zuteil werden sollte.
Wer nun denkt, Nardoriand sei die Wiege eines demokratischen Staates, der irrt. Die Earls und der Adel sind zwar auf das Gemeinwohl des Landes bedacht, doch ihre eigenen Privilegien und Rechte kommen dabei nicht zu kurz. Und im Herzen jedes Thegn ist eine Liebe zum Land verwurzelt obwohl ein jeder dem Ruf des Ruhmes gerne folgt. Und die Leibeigenen wenden sich nur sehr, sehr selten an den Rat der Ritterschaften, viel zu groß ist die Angst vor dem eigenen Lehnsherren. So jedoch teilten sich nach der Bulle die Stände des Landes in Herren oder Lords, Thegn oder Freie, und Unfreie.
Dem Schrankenrecht wiederum sind nur die Herren und Thegn des Landes unterworfen, obwohl sich ein Unfreier auch in der Schranke vertreten lassen könnte. Dies ist jedoch bislang noch nie geschehen und wird seinen Grund in der feudalen Struktur haben. Das Schrankenrecht oder vielerorts auch gern Götterurteil genannt, ist ein perfides Mittel sein oder das Schicksal anderer nochmal in die eigene Hand zu legen, denn nach jedem richterlichen Urteil kann ein Beklagter oder Kläger das Recht des Zweikampfes einfordern. Dabei liegt es einzig und allein daran, ob der Kontrahent dieses Herausforderung annimmt, ein Umstand der in Nardoriand zu vielen Duellen führt, ungeachtet ob bis zum ersten Blut oder dem Leben.
Das Nardorische Rittertum wiederum ist ein ungeschriebener Ehrenkodex der sich über die Jahrhunderte an der Nordgrenze und in den Fürstentümern etablierte. In ihm finden sich sowohl das eigentliche Turnierrecht als auch das Fehderecht, die Minne und das Leben nach der Ehre wieder.

Trotz dieser besonderen Rechtssysteme ist das Leben in Nardoriand nahezu als frei zu bezeichnen, selbst für einen Unfreien.
Im Übrigen sind die Stände des Landes durchlässig. Gerade die Vermischung von Rittergeschlechtern mit denen der Thegn ist fast schon üblich und kein Bruch der Etikette mehr.

Montag, 16. November 2015

Das Lehenswesen der Freien Fürstentümer - Teil 1

Nardoriand
- Von Ritter, Freiem und großem Lord -
Teil 1
Die ritterlichen Lande am Nardor

Zieht es den Wanderer in den Norden, so ward er als dann bald, die Gestade des großen Vaters Nardor erreichen, welche das südliche gelegene Königreich Avron von den Freien Fürstentümern Nardoriands trennt. Hierselbst findet man in der Umgebung wenig unterschied, doch sind die Nardorier ein weitaus stolzeres und erhabeneres Volk, als es die Avronier sind. Wenig Leibeigene dienen in den fürstlichen Gütern, mehr der Freie und der Edelmann sind es, die Nardoriand beheimatet. Vielleicht mag daselbst dies der Grund sein, warum die großen und freien Fürsten oder Earls sich manigfaltiger Beliebtheit erfreuen…“
- aus dem Almanach der Davorischen Reisen, Band XII

Und genau jene Freiheit ist der Schlüssel zum Erfolg und zum Erhalt dieses Landes. Das Wort Freiheit bedeutet in der nardorischen Sprache eoarle. Dieses Wort findet sich auch in dem in Nardoriand üblichen Titel für den höchsten Herren im Land, den Freien oder Hohen Fürsten oder einfach Earl. Der Earl regiert in Nardoriand absolut über sein Earldorm (in diesem Zusammenhang auch Fürstentum genannt), wie der Name seines Herrschaftsgebietes lautet. Den Mittelpunkt seiner Herrschaft bildet dabei seine Stammburg. Die Burgen der Earls sind große und mächtige Festen, teilweise kleine Städte hinter hohen Mauern und lässt diese von seinen auserwählten und engsten Vertrauten regieren. Den der Earl gebietet über alle Ritter und Edelleute seines Fürstentums.

Die Anrede an einen Earl lautet in der Regel  Ew. Hoheit oder in der Kurzform Mylord, in der dritten Person wird von Dem/Der Lord gesprochen (Beispiele: Lord Rupert, Earl von, Der Lord von).
 
Um ein Earldorm zu verwalten, setzten die Freien Fürsten ihre Verwalter ein, Ritter von hoher Geburt auf die sie sich aufgrund von Familienbanden oder persönlicher Leite Ihrer Treue wegen verlassen können. Jene tragen dann Titel wie Alderman oder Sheriff  und stellen in dieser Funktion eine Art adligen Beamten dar.

Diese Aldermannen und Sheriffs residieren in den jeweiligen Burgen ihres Bezirks, welcher deswegen auch als Burg (nardorisch: borough) oder Grafschaft (nardorisch: Shire) genannt werden.

Da ein Alderman nicht zwangsläufig ein hoher Adliger sein muss, in der Regel ist meist ein Baronet oder Ritter Amtsinhaber, manchmal aber auch ein rechtschaffener und geachteter Thegn, gilt für ihn nur die Anrede Herr oder, sofern im Ritterstand oder Baronet, noch das Prädikat Sir vor dem Namen.
 
Eine Shire umfasst in der Regel mehrere kleinere Herrschaften. Die Ritter jener Güter haben unterschiedliche Titel und Befugnisse. So kennt man die Baronets, meist alte Rittergeschlechter mit langer Tradition und einem hohen kämpferischen Hintergrund. Andere wiederum tragen den Titel Ritter(nardorisch: Knight).  Beiden Titelträgern gilt das Prädikat Sir. Sie haben auch im Heerbann wie auf dem alljährlichen Turnier den größten Anteil und bilden die eigentliche Herrenschicht des Landes.
 
Die Ritter sind die unmittelbaren und unumschränkten Herren im Lande. Sie schützen die Armen, achten den Frieden und kämpfen gegen alles was diesen Tugenden und dem Wohl des Volkes in Nardoriand schaden könnte. Natürlich haben sie auch die Pflicht gegen Raubritter und Diebe vorzugehen und das Gesetz der Earldormen zu wahren und danach zu richten und auf den Ruf zum Heerbann durch Ihren Fürsten zu hören.
Ausserdem ist jeder Ritter dem Schrankenrecht unterworfen und verpflichtet. Dabei hat er selbst das Recht einen Krieger zum Ritter zu schlagen, Knappen zu haben und Pagen auszubilden und Krieger in Waffen zu halten, um für Ordnung und Recht zu sorgen.

Diese Ehre wird in ganz Nardoriand hoch geschrieben und ist fester Bestandteil des Selbstverständnisses eines Nardorischen Ritters, eines besonderen Prädikates, dass in ganz Norddavoria und darüberhinaus bekannt ist. 

Dienstag, 10. November 2015

Hochnardoriand - Das Land von Salz, Silber und Stahl - Teil 1

Hochnardoriand
- Das Land von Salz, Silber und Stahl -
Land und Leute
Wie alle Bewohner Nardoriands sind auch die Freien und Ritter in Hochnardoriand vor allem durch ihren Stolz und Ungebundenheit bekannt. Und dies scheint gerade in diesem Teil der freien Fürstentümer noch stärker so zu sein. Dies mag an der sehr hügeligen und schon durch stärkere Berge und Täler durchzogene Lage Hochnardoriands liegen, welches im Norden durch den Limedan und im Osten durch das Massive der Ered Gorand abgeschirmt wird. Allein im Süden zur Grenze nach Avron und der verlorenen Landschaft Südnardoriands grenzt der mächtige Fluss Nardor das Land ab.
Einer seiner Seitenarme, der Arador bildete die letzte, natürliche Grenze dieser Landschaft nach Westen hin.
Hochnardoriand
Die Herren des Landes, die Fürsten von Estaladan residieren bereits seit Jahrhunderten auf Burg Estalod inmitten des Fürstentums. Sie beherrschen seid nunmehr zweihundert Jahren allein das gesamte Gebiet Hochnardoriands. Das Haus Estaladan ist ein altes und mächtiges Geschlecht und der Adel ist auf die eine oder andere Art mit dem Fürstenhaus verwandt oder verschwägert.


Der Fürst selbst hält ein Monopol auf den Silberbergbau im Norden und hat ebenso ein Regal am Salzabbau, dem Schlagen von schweren Hölzern, wie der nardorische Goldeiche sowie der Erzgewinnung. Dies sind die finanziellen Säulen der Macht des Fürstenhauses. Nicht umsonst sagt ein Sprichwort, dass der "silbersalzige Fürst manchem König das Stahl reichen kann".
Weitere mächtige Adlige finden sich in den Ritterschaften der Furten, den Landgütern entlang des Nardors, dem Häusern Laurent, Brandbury, Flagstaff und Bordington. Allen gemein ist die treue Lehensverbundenheit zum Fürsten und der seit der Unabhängigkeit der Fürstentümer schwelende Hass gegen das Königreich Avron im Süden. Einige kleinere Adelsfamilien haben immer noch verwandte Bande in dessen Nordprovinz Südnardoriand, die das Königreich Avron vor einhundert Jahren okkupierte und so manches Rittergeschlecht der Furten führt seine Herkunft aus dem südlichen Königreich.

Größere Städte finden sich in Hochnardoriand nur wenige. Der Mittelpunkt ist das fürstliche Estaladan mit Burg Estalod im Norden. Die zweitgrößte Stadt ist das am Zusammenfluss von Nardor und Arador gelegen Caerleon, eine alte Stadt aus der morgianischen Zeit mit vielen alten morgianischen Villen und Bauten, gemischt mit neueren Häusern des nardorischen Stils.
Caerleon ist auch das Zentrum des Handels und ein Umschlagplatz von Holz und Salz, den Haupterzeugnisses des Landes. Es finden sich einige Kontore belaranischer Handelsherren und morgianischer Kaufleute.
Durrington am Nebelpass
Die dritte Stadt ist die Wehrstadt Durrington am Fuße des Nebelschattenpasses. Dabei ist Durrington mehr eine wuchtige  Wehrburg mit einigen wenigen Stein- und Holzhäusern sowie einer sich regelmässig verändernden riesigen Zeltstadt.
Dies liegt daran, dass Durrington den Nebelschattenpass und damit die Ostgrenze Nardoriands bewacht. Hier beginnt auch die nördliche Route der Samtstraße in den Osten über den Nebelschattenpass durch die Ered Gorand weiter zu den fernen weiten der Transansteppe. Es verwundert daher nicht, dass sich sogar eine kleine Karawanserei in Durrington befindet. Manche Karawanen, wenn auch nicht oft, erreichen Durrington und schlagen dann hier ihre Waren um, welche sie mühsam und gegen manche Räuber und Diebsgesindel soweit in den Westen gebracht haben.
Durrington macht nicht wirklich den Anschein, doch eröffnet sich von hier dem Reisenden die Möglichkeit die fernen Lande wie Trabäa, Dascionien oder sogar die fernen Inseln unter der Sonne zu erreichen, wenn man die Kraft und den Mut besitzen in die schier unendlichen weiten der östlichen Steppen einzutreten.

In Durrington befindet sich jedoch auch ein Fallenstellerlager und Nardoriands größter Pelzhandelsmarkt. Viele Jäger und Fallensteller machen hier Quartier bevor sie sich nach Hochnardoriand hineinbegeben um die begehrten Fälle von Hermelin, Zobel, Wolf und Waldlöwen zu erjagen.